„WinsenRad“: Wieder mal die Ortsteile vergessen

Seit 1. Juni gibt es 14 Leihrad-Stationen in Winsen! Als ich das das erste mal gehört habe, dachte ich: Logisch, 14. Winsen hat 13 Ortsteile, also eine für jeden Ortsteil und dann eine zentrale in der Innenstadt.

Als ich dann schauen wollte, wo denn die Station in meinem Ortsteil ist und wo die in der Innenstadt, hatte ich wieder mal so einen WTF-Moment, wo man nicht so richtig glauben kann, dass das Ernst gemeint sein kann.

Screenshot aus der „Nextbike“-App. Der blaue Punkt oben links ist mein Wohnort. Ja, der liegt innerhalb Winsens.

Denn: Diese 14 Stationen befinden sich praktisch vollständig in der Innenstadt, in wenigen Fällen nur in kleiner Entferntung von ihr.

Mein erster Gedanke: Konsequent, seit 30 Jahren fährt der sogenannte „Stadtbus“ ja auch nicht in die Ortsteile, also nicht in die ganze Stadt, sondern zieht rein innenstädtisch seine Kreise – meistens natürlich leer, weil das Strecken sind, für die sich keiner ein Ticket kaufen will.

Jetzt kann man diese fußläufig machbaren Strecken also auch per Rad meistern, wie schön.

Auch, wenn man sich die Tarifstruktur ansieht, wird deutlich, dass Ortsteile wieder mal nicht mitgedacht worden sind:

Die Nutzung des Fahrrades in den ersten 15 Minuten ist zunächst kostenlos. Danach wird das Leihrad für 1 Euro pro angefangene 15 Minuten gemietet. Der maximale Mietpreis für ein Fahrrad pro Tag beträgt 12 Euro.

Quelle: Stadt Winsen

Wenn ich sportlich genug fahre, schaffe ich es eventuell in 15 Minuten von der meinem Winsener Wohnort am nächsten gelegenen „WinsenRad“-Station bis nach Hause. Natürlich muss der Drahtesel dann auch noch irgendwie wieder zurück und unter dem Strich macht es nur in ganz seltenen Fällen irgendwie Sinn, das System zu nutzen. Eventuell, wenn Sonntagabends mal wieder weder Bus noch Taxi fährt. Dann kann ich 12 Euro zahlen und mit dem Leihrad nach Hause, auch wenn das die meiste Zeit, für die ich diesen Tagessatz zahle, lediglich darauf wartet, dass ich noch mal nach Winsen fahre, um dann mit dem Bus nach Hause zu fahren. Ein ziemlicher Aufwand, vermutlich würde ich stattdessen dann doch lieber gleich die knappe Stunde lang nach Hause latschen. Absurdeweise wäre ich dann insgesamt sogar ein bisschen schneller unterwegs gewesen.

Es ist schade, wie eigentlich gute Ideen in Winsen immer wieder so tölpelhaft umgesetzt werden, dass sie für die Leute im größten Teil des Stadtgebietes praktisch unbrauchbar sind.

Dass es sich sowohl ökologisch als auch ökonomisch schwierig gestaltet, die Ortsteile untereinander und auch mit der Innenstadt sinnvoll mit einem Busfahrplan zu verbinden, verstehe ich und damit arrangieren wir Ortsteilbewohner uns ja die letzten 50 Jahre irgendwie. Und ganz bestimmt wäre es initial auch etwas überambitioniert gewesen, alle Ortsteile mit Leihrad-Stationen auszustatten, wenn man gar nicht weiß, wie das angenommen wird.

Aber so gar keine Stationen außerhalb des Stadtkerns? Nicht mal eine in Hoopte am Fähranleger?

Hier wurde nicht nur die Chance vertan, ein sinnvolles Leihrad-System zu schaffen, sondern den Menschen in den Ortsteilen wieder mal zu verstehen gegeben, dass sie aus Sicht der Verwaltung Winsener zweiter Klasse zu sein scheinen.

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